Zuflucht der Dunklen Bruderschaft
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Der Dunkle Templer, Teil IX

"Wer hätte das gedacht, dass wir ein solches Talent für Heimlichkeit und Geheimhaltung haben", sagte Vetraas in sarkastischem Ton zu Adun.

Adun war in vielerlei Dingen bewandert, nur hatte er noch nicht genug erlebt, um einen solchen Sinn für Humor zu entwickeln, wie Vetraas es in den langen Jahren getan hatte. Und so nahm er etwas Anstoß an der Bemerkung. "Wir tun, was nötig ist", sagte er. "Ich finde kein Vergnügen daran. Dies ist kein Spiel, Vetraas."

Nein, es war kein Spiel, doch wenn man es so betrachten wollte, weil das ganze Leben im Grunde nur ein Spiel war, dann ging es um den höchsten nur denkbaren Einsatz. Zunächst war die Konklave selbstzufrieden gewesen. Aber in letzter Zeit schien sich daran etwas geändert zu haben. Sie verlangten auf einmal mehr Beweise für die Hinrichtungen als nur Aufzeichnungen. Adun hatte sein Möglichstes getan, um sie bislang davon abzuhalten, einer Exekution persönlich beizuwohnen, aber früher oder später würden sie darauf bestehen, und dann wäre das "Spiel" aus.

Oder nicht? Was Adun, Vetraas und die anderen Hochtempler mit den Flüchtlingen taten, war darauf ausgerichtet, ihnne beizubringen, wie sie sich mit verblüffender Wirksamkeit selbst tarnen konnten. Erst gestern hatte Vetraas, beinahe erschrocken, mit angesehen, wie Raszagal stolz ihre Fähigkeit demonstriert hatte, fast unsichtbar zu werden.

"Du hast uns von den verhüllenden Schatten erzählt", sagte sie zu Adun. "Wir haben fleißig gelernt, wie du es gesagt hattest. Und nun können wir das Licht brechen, um uns zu verstecken."

Raszagal mochte zwar die offensichtlich begabteste Schülerin sein, aber die anderen standen ihr kaum nach. Sie wussten, dass ihr Leben davon abhing, diese psionischen Fähigkeiten zu erlernen, und waren den Templern, insbesondere dem Exekutor, fast herzerweichend dankbar für ihre Rettung, und so lernten sie in erstaunlichem Tempo.

Es bereitete Vetraas Sorge, wie schnell es voranging. "Wir brauchten Jahrzehnte, um auch nur zu lernen, unsere Herzen zur Gänze miteinander zu teilen", sagte Vetraas zu Adun. "Du aber lernst im selben Maße, wie du lehrst, denn diese Fähigkeiten waren uns bis dato fremd. Vielleicht sollten wir es etwas langsamer angehen."

"Es gibt keine andere Wahl", erklärte Adun. "Das Netz zieht sich bereits zusammen. Und weil sie vollkommen überzeugt sind, dass dies der richtige Weg ist, werden sie nicht nachgeben."
Vetraas teilte diese Befürchtung mit ihm.

"Bald schon werden wir nicht mehr verhehlen können, was wir tun", fuhr Adun fort.
"Bis ich die Konklave überzeugen kann, dass es in dieser Angelegenheit die falsche Wahl getroffen hat, besteht der einzige Schutz der Dunklen Templer darin, sich so gut wie möglich zu verbergen. Es wäre so viel wirkungsvoller, wenn ich mich in der Khala mit ihnen verbinden könnte – aber wenn ich das könnte, wäre all dies ja gar nicht nötig."

Später sann Vetraas sorgenvoll darüber nach, dass die Ereignisse, die sie umgaben, unvermeidbar waren. Er und Adun hatten beide recht. Die sogenannten Dunklen Templer hatten in der Tat keinen anderen Schutz als diese psionischen Fähigkeiten. Aber sie versuchten zu viel in zu kurzer Zeit zu lernen. Vetraas sollte nie erfahren, was der unglückselige Dunkle Templer., der die Katastrophe auslöste, eigentlich im Sinn gehabt hatte. Denn natürlich war er nicht mit der Khala verbunden, und jeder seiner Artgenossen, die Tiere des Regenwalds und des Dschungels im meilenweiten Umkreis kamen in dem schrecklichen psionischen Sturm um, der entfesselt wurde.

Sicher war nur, dass er oder sie viel zu früh versucht und eine psionische Rückkopplung ausgelöst hatte, in dem die heraufbeschworenen Mächte ausser Kontrolle gerieten. Doch diese bedauernswerte Seele war nicht der oder die Einzige – andere Dunkle Templer gerieten offenbar in Panik, und die Schüler zeugten mehr und immer mehr Stürme, waren aber nicht imstande, solche Kräfte ohne die Kontrolle und Disziplin der Khala zu beherrschen... und so wurden sie zu den ersten Opfern ihrer eigenen Unerfahrenheit.


Dutzende psionische Stürme. Überall auf Aiur.
Alle verursacht durch unerfahrene Dunkle Templer, die zu früh versuchten, zu viel Kraft aufzubieten. Stürme, die in ihrem Ausmaß verheerend waren – und Stürme, die die Konklave leicht zu ihren Ursprüngen zurückverfolgen konnte. Als sie die Leichen als Dunkle Templer identifizierten, die angeblich hingerichtet worden waren, erkannten sie, dass sie von demjenigen hinters Licht geführt worden waren, dem sie die Aufgabe anvertraut hatten, von der sie überzeugt waren, sie sei der richtige Weg in dieser Sache.

Die Dunklen Templer wurden von der Konklave zwar gefunden, aber selbst hier gab Aduns Einfluss den Ausschlag.


Der rechtschaffene Zorn und der Schmerz der Bestürzung, die von Kortanul ausstrahlten, waren fast ebenso überwältigend wie die psionischen Stürme. "Wie kannst du es wagen, dich einem direkten Befehl zu widersetzen? Was gibt dir, einem Templer, das Recht, solche Entscheidungen zu treffen?

Wir sind die Konklave! Wir wissen, was das Beste ist!"

Adun blieb unerschütterlich. "Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung. Was wollt Ihr jetzt verfügen, Judikator? Ihr wisst so gut wie wir, dass Ihr eben jenes Geheimnis, das Ihr unbedingt verbergen wolltet, die Existenz der Dunklen Templer, verraten würdet, wenn Ihr uns öffentlich verurteiltet."

Vetraas verbarg seinen plötzlichen Ausbruch von Heiterkeit, damit Kortanul ihn nicht mitbekam.
Adun hatte den Judikator kalt erwischt. "Wir werden die Dunklen selbst exekutieren."

"Das werdet Ihr nicht!" Aduns geistige Stimme tat beinahe weh. Vetraas fasste sich an die Schläfe.
"Wenn auch nur einem von ihnen Schaden zugefügt wird, werde ich offen von ihnen sprechen. Und auch dann käme Euer Geheimnis ans Licht."

Vetraas wartete, immer noch starr wie Stein. Er wollte Adun helfen, aber er wusste, dass jegliches Eingreifen mehr schaden als nützen würde. Diese Sache unterlag ganz Aduns Entscheidung – ihr Ausgang hing ganz davon ab, wie er sie handhabte.

Für einen Moment war Kortanuls Geist sorgsam geleert.
"Verdammt seist du, Adun. Du weißt, dass du Recht hast. Aber es darf den Dunklen nicht erlaubt sein, unter jenen von uns zu leben, die den wahren Lehren Khas' folgen. Du hast gesehen, wie gefährlich sie sein können."

"Das geschah unbeabsichtigt", platzte Vetraas heraus; er konnte nicht länger schweigen.
Kortanul wandte sich ihm zu. "Das macht die Sache noch schlimmer! Du siehst doch, wie wild, wie unbeherrscht sie sind. Willst du sie und die verheerenden Auswirkungen auf unsere Welt ungeahndet lassen? Kannst du, als einer, der geschworen hat, die Protoss zu schützen, reinen Gewissens sagen, dies sei etwas Gutes?"

Adun war bis ins Innerste getroffen und senkte den Kopf.
"Was... schlagt Ihr vor?"
"Verbannung. Versammelt sind sie ja schon. Wir werden sie an Bord eines der verbliebenen Schiffe der Xel'Naga schaffen und..."

"So etwas habt Ihr?" Adun und Vetraas staunten und dachten synchron dasselbe.

"Es gibt viele Dinge, von denen wir wissen und ihr nicht. Deshalb führen wir die Protoss, und ihr führt lediglich das Schwert, wenn wir es euch sagen."
"Bis auf dieses Mal, Judikator", dachte Vetraas wütend. "Bis auf dieses Mal."

 
   
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