Zuflucht der Dunklen Bruderschaft
Navigation  
  Empfangsbereich
  Partnerseiten
  Legacy of Kain
  Assassins Creed
  Knights of the Old Republic
  The Force Unleashed
  StarCraft
  Vampire Bloodlines
  Dreamfall: The Longest Journey
Das Tanzfest im Sanatorium


Das Tanzfest im Sanatorium

von Waughin Jarth



Mein Ururonkel war ein Wärter in einem Sanatorium in Torval (vielleicht auch mein Urururonkel - es ist lange her) und dies ist die Geschichte, welche in meiner Familie von seiner Generation zu meiner weitergereicht wurde. Vielleicht ist es höchst zweifelhaft, aber als man sie mir erzählte, wurde es in einem derartigen Ton geflüstert, dass man sie ernst nehmen musste. Da ich keinerlei eigene Kinder besitze, denen ich etwas flüstern könnte und da ich in Geldnöten bin, habe ich mich entschlossen die Geschichte zu veröffentlichen.

Das Sanatorium in dem mein Ururonkel arbeitete war anscheinend äusserst nobel. Nur Wahnsinnige einer bestimmten Klasse wurden darin aufgenommen. Exzentrische Herzöge, verrückte Baronessen, Fürsten mit einem Sprung in der Schüssel und verblödete Damen füllten die wandbehangenen und vergoldeten Hallen des Sanatoriums. Trotzdem verursachte das Gerücht der Verlegung des verstörten Kaisers von Tamriel, Pelagius dem Dritten, von einer Zuflucht in Valenwald hierher, für einige Zeit für große Aufregung. Als das Gerücht Tatsache wurde, verwandelte sich das Sanatorium in ein nettes, ruhiges und widerspenstiges Chaos. Pelagius bekam einen gesamten Flügel des Sanatoriums für sich, da er, obwohl verrückter als ein tollwütiger Hund, immer noch Seine Schreckliche Majestät, der Kaiser von Tamriel war.

Der Kaiser war bemerkenswert wohlerzogen, wie mir mein Ururonkel angeblich versicherte. Natürlich musste er sich nicht mit den Gemeinen abgeben, welche unter allen möglichen Vorwänden kamen, um ihren Schirmherren, den Wahnsinnigen, zu begaffen. Als sich einer der Wärter vergaß (nicht mein Onkel, wie man mir versicherte) und Ihre Schreckliche Majestät wissen ließ, dass Leute hier waren, welche ihn sehen wollten, wurde der Kaiser sehr erregt. Er entschloss sich auf der Stelle ein Tanzfest abzuhalten. Ein riesiges Fest mit Musikern, Tänzern und Festessen, mitten im Sanatorium der Wahnsinnigen. Oder besser gesagt, in seinem Flügel des Sanatoriums.

Das Gerücht über das Interesse des Kaisers, ein Tanzfest abzuhalten, verbreitete sich in Torval und erreichte schließlich die Ohren der Kaiserlichen Regentin Katariah, die Frau von Pelagius, in der Kaiserstadt. Begierig ihren Gatten glücklich zu machen, entsandte sie eine Karawane beladen mit Gold zum Sanatorium, damit ein Tanzfest abgehalten werden konnte, das der kaiserlichen Würde entsprach.

Der Kaiser wählte einen Festtermin aus und die Vorbereitungen begannen unverzüglich. Die alten Sanatoriumswände waren stolz verziert, benötigten aber eine Reinigung. Eine Versenkung musste erstellt werden, um das Orchester zu beherbergen, Diener zum Kochen und Servieren mussten angestellt werden, Gold- und Ebenerzbehangene Kerzenleuchter und dazu passende Kronleuchter wurden bestellt, die alten Teppiche wurden vernichtet und neue Teppiche, bestickt mit Juwelen wurden gewoben, Gästelisten mussten erstellt, überarbeitet und neu erstellt werden. Der Kaiser wusste, dass die Gästeliste sehr exklusiv sein musste und verließ sich auf seine Ratgeber, welche ihm erzählten, wer noch lebte, tot war und wer imaginär war.

Das Fest sollte um 9 Uhr beginnen. Um 6 Uhr stellte der Friseur, welchen er von Torval kommen ließ, seine kaiserliche Frisur fertig. Um 7 Uhr war er ganz in die Roben gekleidet, welche er für das Tanzfest bestellt hatte: Wallende schwarze Seide und mehrschichtiger Samt mit eingearbeiteten roten Diamanten. Um 8 Uhr ging er die neulich umgebaute Treppe herab, um die letzten Vorbereitungen zu beaufsichtigen - das Anzünden der Kerzen, das Öffnen des Weines, die Beseitigung des ersten Ganges. Um 9 Uhr bestieg er die naturgetreue Nachbildung des Thrones, welchen er bestellt hatte und wartete auf die ersten Gäste.

Um 9.30 Uhr sagte sein Berater, welcher beobachtete, wie die königlichen Blicke wahnsinnig umherstreiften, "Eure Schreckliche Majestät wissen bestimmt, dass es sich nicht schickt, nicht wenigstens eine Stunde nach der vereinbarten Zeit einzutreffen."

Der Kaiser starrte nur vor sich hin.

Um 10.30 Uhr verlangte der Kaiser nach Essen und Wein und saß auf seinem Thron und blickte zum Eingang, während er aß. 30 Minuten später gab er dem Orchester den Befehl zu spielen. Die nächsten 3 Stunden lang spielte es unbeschwerte Musik für den leeren, kerzenerleuchteten Ballsaal.

Um 1 Uhr äusserte der Kaiser den Wunsch, sich für den Abend zurückzuziehen. Mein Onkel war einer der Wärter, der Seine Schreckliche Majestät die Treppen hinaufgeleitete. Auf der Hälfte des Weges zu seinem Gemach warf sich Pelagius hysterisch, schreiend und lachend zu Boden, verlangte weiteren Wein (meine Mutter kannte diesen Teil der Geschichte gut, bei der sie die Augen rollte und schrillte "Mehr Wein! Mehr Wein! Wein!") und, um es kurz zu machen, sich vorstellte, er wäre von allen Feiernden des Festes besessen - eines Festes, welches nie stattgefunden hat.

Zwei Tage später war er immer noch so. Er hat sich und alle, welche versuchten ihn zu ergreifen, entsetzlich mit den roten Diamanten seiner Robe zerschnitten. Letztendlich beschloss man, dass das Sanatorium von Torval nicht dafür geeignet war, einen Wahnsinnigen Seiner Gewichtigkeit zu betreuen, und er wurde zu einem sichereren Ort in die Schwarzmarsch gebracht werden. Nur 3 Monate später hörte mein Onkel vom Tod des Kaisers.

Eine der Pflichten meines Onkels war die Sicherstellung des persönlichen Besitzes von Insassen nach ihrem Tod. Da es sich im wesentlichen um Landadelige handelte, war der persönliche Besitz oftmals äusserst umfangreich. Mehrere Jahre nach dem Tanzfest im Sanatorium wurde mein Onkel gerufen, um das Apartment einer Herzogin auszuräumen, deren Exzentrität im wesentlichen aus dem Hang zum Entwenden fremder Dinge bestand. Ich glaube, es wird Kleptomanie genannt. Verschlossen hinter einer Geheimtür ihres Schreibtischs, geschützt von einer Falle mit spitzer Nadel, lag eine Vielfalt von Juwelen, Goldhaufen und 5 große Stapel wundervoll gravierter Einladungen mit der kindlichen Unterschrift des Kaisers.

 
   
Werbung  
   
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=