Zuflucht der Dunklen Bruderschaft
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Ära des Zwists, Teil V

Savassan sah sich aufmerksam um, wobei er seine Gedanken vor Temlaa abschirmte. Und das alarmierte Temlaa mehr als alles andere, was er an diesem Ort erlebt hatte.
"Was ist, Meister?", fragte er, die alte respektvolle Anrede führend. Er fühlte sich Savassan nicht mehr ebenbürtig, sondern sehr jung und dumm, als er zu dem schwebenden, pulsierenden Kristall aufsah.

"Ich glaube... ich verstehe", sagte Savassan leise. "Ich glaube, die Antworten auf... nun, auf alles... liegen hier vor uns."


Im Laufe der nächsten Tage erkundeten Savassan und Temlaa die unterirdischen Räume. Bald wurde klar, dass das Höhlensystem größer war, als sie es sich vorgestellt hatten. Temlaa war überzeugt, dass sich diese Höhlen praktisch unter jedem Quadratzentimeter ihrer Welt erstreckten. Ganz gleich, worüber sie sonst noch stolperten, was sie sonst noch zu erkennen glaubten, Savassan kehrte immer zu dem Kristall zurück.

Temlaa empfand die toten Protoss nicht mehr als furchterregend, aber er fragte sich immer noch, was mit ihnen geschehen sein mochte. Nach einer gründlicheren Untersuchung stellte er fest, dass unter den Toten ein Vertretet von jedem der sechs Sämme war. Es hatte nicht den Anschein, als seien sie verletzt worden, noch wiesen sie sichtbare Anzeichen einer Erkrankung auf. Aber natürlich war es schwierig, so ausgedörrt wie die Leichen waen, das mit Bestimmtheit zu sagen.

Savassan stand immer wieder minutenlang über den Toten, als könnte er ihnen ihre Geheimnisse entlocken, indem er sie einfach nur betrachtete. Er berührte die Ranken, die sie fesselten und ihre Körper stellenweise durchdrangen, und schaute zurück zum Kristall.
"Sie sind Helden", sagte er schließlich in Temlaa's Geist. "Und dass von jedem Protoss-Stamm einer hier ist, kann kein Zufall sein."

Dem pflichtete Temlaa bei. Nichts an diesem Ort sprach für einen Zufall. Alles war geplant. "Glaubst du... dass sie... ermordet wurden?" Savassan schüttelte den Kopf. "Nein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ihan-rii uns ermorden würden. Sie nährten uns, führten uns, sorgten für uns. Es muss einen Grund für ihren Tod gegeben haben. Einen guten Grund."

Er sah mit funkelnden Augen zu Temlaa auf. "Wir müssen sie von diesen Ranken lösen", sagte er.
Temlaa's Augen wurden groß. "Aber... es könnte etwas passieren!" Er blickte sich in dem weiten Raum um, dessen natürliche Künstlichkeit ihm noch immer nicht ganz behagte.
"Das hoffe ich ja gerade", erwiderte Savassan. "Wir sind so weit gekommen in unseren Bemühungen, ihre Geheimnisse zu entschlüsseln, Temlaa. Willst du jetzt etwas aufhören?"
Temlaa schüttelte den Kopf, obgleich sein Herz wie wild schlug. Savassan nickte. "Wenn mir irgendetwas zustößt", sagte er, "kehre du an die Oberfläche zurück und suche den Rest unseres Volkes. Was wir hier erfahren haben, muss für kommende Generationen bewahrt werden. Verstehst du das?" Temlaa nickte feierlich.

Savassan richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Leichen, beruhigte seinen Geist und trat vor. Mit sanften, ehrerbietigen Fingern berühte er die Ranken, ergriff eine davon und zog sie mit einem kräftigen Ruck aus dem vertrockneten Leichnam. Auf dem mit Edelsteinen besetzten Pfeiler blitzte ein Licht auf. Temlaa's Kopf fuhr herum. "Hast du gesehen, welcher das war?", fragte Savassan.
"Ja", antwortete Temlaa, erleichtert darüber, dass nichts Schlimmeres geschehen war.

"Behalte sie im Auge. Präge dir die Reihenfolge ein", sagte Savassan und fuhr fort. Temlaa nahm den Blick nicht von den Lichtern, wie es ihm aufgetragen worden war.

Als die letzte Ranke entfernt war, leuchteten die Lichter mit einem Male alle auf.

Temlaa wandte sich wieder zu Savassan um, und seine Augen weiteten sich. Die Ranken begannen sich zu bewegen. Sie sahen aus wie sich ringelnde Schlangen, deren Masse unter leisen Geräuschen wogte und sich wand. Die Enden der Ranken glommen auf, in einem strahlenden Blau... dann zoen sie sich gemeinschaftlich in den Stein zurück und waren bald darauf verschwunden. Nur die Ranken, die noch immer in den Leichen der fünf anderen Protoss steckten, bewegten sich um keinen Deut.

Savassan drehte sich zu Temlaa um, und der Gedanke, den er dem jüngeren Protos schickte, brachte das Blut in Temlaa's Adern zum Erkalten. "Meister, das... das kannst du nicht...!" Temlaa starrte Savassan entsetzt an. "Ich muss", erwiderte Savassan. "Wir sind schon zu weit gekommen, um jetzt tatenlos zu bleiben." Noch während er sprach, hob er den ausgetrockneten Protoss-Leichnam von der Plattform und legte ihn behutsam und mit großem Respekt zur Seite.

"Aber... das war es vielleicht, was sie umgebracht hat!"
"Durchaus möglich." Der ältere Protoss ließ sich auf der Plattform nieder. Komm, Temlaa. Gib die Folge ein." "Nein." Temlaa's mentale Stimme war fest. "Ich lasse nicht zu, dass du dich umbringst."
Savassans Gedanken waren sanft, freundlich, aber auch leicht aufgebracht. "Du weißt, dass ich das tun muss." Temlaa schirmte seinen Geist ab. Was er dachte, war zu persönlich, zu schmerzhaft, um es zu teilen. Ausserdem nahm er an, dass Savassan bereits sehr genau wusste, was er empfand. Er riss zusammen, dann begann er, das Aufblinken der Lichter durch Berühren der Edelsteine in umgekehrter Reihenfolge zu wiederholen. Die Ranken traten aus der Wand, langsam, anmutig und furchterregend wogend. Jede einzelne bewegte sich auf Savassan zu, als sei sie von einem eigenen Geist erfüllt, berührte ihn, schlang sich um ihn.

Temlaa kämpfte den Impuls nieder, vorwärts zu stürzen, Savassan zu packen und ihn in Sicherheit zu zerren. "Jetzt das Ara'dor", sandte Savassan. Temlaa schloss die Augen, sein Finger schwebte über der Konsole. Wenn er Savassan verletzte...
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Der riesige, schwebende Kristall, der Temlaa und Savassan so erstaunt hatte, leuchtete hell und strahlend auf. Temlaa verzog das Gesicht, schirmte seine Augen gegen die rote Lichtflut ab und zuckte zusammen, als das Herzschlaggeräusch lauter wurde. Licht begann die daliegende Gestalt Savassans einzuhüllen. Temlaa sah starren Blickes zu. Woher kam es? Aus Savassan selbst?

Schmerz überfiel ihn. Savassans Pein war so brutal, dass sie Temlaa in die Knie gehen ließ. Er brauchte Sekunden, um sich so weit zu erholen, dass er aufstehen und auf die Säule mit den leuchtenden Steinen zugehen konnte. Er musste den Prozess stoppen! Vor seinen Augen begann Savassan zu vertrocknen. Temlaa erkannte, dass die ausgedörrten Leichen, die sie entdeckt hatten, nicht durch den Zahn der Zeit und die trockene Umgebung so geworden waren, sondern infolge dieses Dings, dieser Abscheulichkeit...

Hastig gab Temlaa den Code ein weiteres Mal ein. Nichts. Er konnte es nicht aufhalten! Er...
Dann fiel es ihm ein. Er musste die Sequenz umkehren! Rasch und mit einer Konzentration, wie er sie noch nie zuvor aufgebracht hatte, hieb Temlaa mit dem Finger auf die leuchtenden Edelsteine.
Die Farben veränderten sich. Anstatt rot, begann der Kristall nun blau zu leuchten. Und anstatt verheerenden Schmerz zu verspüren, der von Savassan ausging, empfand Temlaa jetzt Verzückung.

Er starrte auf Savassan. Der Leib des älteren Protoss kehrte den Schaden, den er genommen hatte, um, und Savassan war nun in zartes blaues Licht gehüllt. Temlaa versuchte verzweifelt herauszufinden, was hier vorging. Doch er gelangte einzig zu der Vermutung, dass der Kristall zuvor auf unbekannte Weise Energie entzogen haben musste, während er nun anfing, Energie in ihn hinein fließen zu lassen.

Er spürte, wie Savassans Gedanken die seinen streiften, und erzitterte unter der Freude, die er darin warnahm. "Ja", übermittelte ihm Savassan, "ja, der Kristall nährt mich wie die Sonne... er teilt mir Dinge mit. Oh Temlaa, Temlaa, es ist so schön, so heilsam... Ich verstehe es jetzt. Ich verstehe!"
Der Kristall strahlte noch einmal auf, grell wie eine Sonne, und dann verebbte sein Glanz. Das Herzschlaggeräusch trat wieder in den Hintergrund, und das Licht im Raum nahm wieder seinen normalen weißen Schein an. Savassans Emotionen beruhigten sich, wurden friedvoll und freudig, anstatt wild verzückt.

Temlaa gab rasch die Sequenz ein, worauf sich die Ranken lösten und wieder in den Stein zurückzogen. Er eilte zu seinem Meister und half ihm, sich aufzusetzen. Savassan schirmte etwas vor ihm ab, und er bettelte darum, zu erfahren, was es war.

"Ich weiß jetzt, was zu tun ist", sagte Savassan schließlich.
"Ich kenne den Weg, dem wir folgen müssen. Diese Jahrhunderte voller Hass... das war falsch, Temlaa, furchtbar falsch. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, was wir einst hatten. Wir brauchen die Xel'Naga nicht, wir brauchen nur einander"

Der Begriff war ihm fremd, aber Temlaa verstand, dass dies der Name der Ihan-rii sein musste, den sie selbst für sich benutzten... der Name, der in Vergessenheit geraten war.
Savassan rutschte von der Plattform. "Wir müssen gehen", sandte er fest. Die Macht seiner Gedanken war so stark, dass Temlaa fast nicht widersprochen hätte.
"Aber...", brachte er dann doch hervor, "aber dieser Ort... wir können noch so vieles erfahren. Wir sollten bleiben und ihn erkunden!"

Savassan schüttelte den Kopf. "Nein. Das kann warten. Wir haben eine wichtigere Aufgabe."


Wenn es so bestimmt ist, werden wir zurückkehren, lernen und studieren. Aber jetzt müssen wir zuallererst unserem Volk die Kunde bringen."
"Aber..."
"Verstehst du denn nicht?" Der geistige Ausbruch ließ Temlaa erzittern. "Temlaa... das ist es, worauf wir gehofft hatten! Dort draussen stirbt unser Volk." "Die Shelak kämpfen gut. Wir sind nicht in Gefahr." Savassan schüttelte den Kopf. "Temlaa. Ich meine alle Protoss. Wir kämpfen und sterben... warum? Weil wir einander hassen. Und warum hassen wir einander?"

Wir hassen die anderen Stämme, weil sie die Ihan-rii... die Xel'Naga vertrieben haben. Und sie hassen uns, weil wir die Xel'Naga immer noch verehren."
"Nein, Temlaa. Das ist es, was wir uns eingeredet haben. Das ist unsere Ausrede, weil tief in uns eine hässliche Angst steckt... die, dass wir, weil mit Mängeln behaftet, verstoßen worden sein könnten. Dass wir ihnen nicht gut genug gewesen sein, keine Freude bereitet haben könnten. Diese uralten Protoss, die dastanden und tobten und weinten, während die, die uns erschaffen hatten, uns verließen... die hassten einander damals nicht. Jeder hasste sich selbst, und das war nicht zu ertragen. Wir waren wütend und voller Furcht, und so machten wir einander zu Ungeheuern. Aber verschiedene Hautfarben, verschiedene Weisen Dinge zu tun... das alles bedeutet nicht, dass der andere ein Ungeheuer ist. Wir sind Protoss. Wir sind vom selben Volk.

Sag mir:
Wenn du deine Gedanken und Gefühle mit einem Ara verbinden könntest... wärst du imstande, ihn zu hassen?" "Ich würde seinen Hass auf mich verspüren." Savassan winkte wütend ab. "Nein, nein, denn er würde im selben Moment dich spüren, dich wahrnehmen. Du wüsstest, wie er seine Kash'lor, seine Kinder liebt, wie gut es sich für ihn anfühlt, die Sonne auf der Haut zu spüren, wie freudig er um die Feuer tanzt. Du könntest ihn nicht hassen, weil du er wärst"

 
   
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