Zuflucht der Dunklen Bruderschaft
Navigation  
  Empfangsbereich
  Partnerseiten
  Legacy of Kain
  Assassins Creed
  Knights of the Old Republic
  The Force Unleashed
  StarCraft
  Vampire Bloodlines
  Dreamfall: The Longest Journey
Ära des Zwists, Teil II

Hass und Abscheu trieben ihn an.
Veskaar fühlte beides durch seinen Körper strömen, spürte, wie es durch sein Blut raste und ihn bis zum Überlaufen erfüllte. Es war rein, es war herrlich, und er schwelgte darin.
Sein Stamm wusste nicht, wo die Shelak die Scheußlichkeiten versteckten, aber das machte nichts. Die Furinax würden sich darauf konzentrieren, die Shelak auszulöschen, und die anstößigen Relikte der Großen Betrüger zurücklassen und den Launen von Wetter und Zeit ausliefern. Der Dschungel mochte sie sich einverleiben. Sollte... Veskaar zog die Schultern hoch und schauderte. Seine Haut wurde fleckig vor Trauer. Obwohl die Großen Betrüger schon so lange fort waren, war die Wunde der Furinax noch immer frisch. Warum? Warum waren sie weggegangen? Warum beharrten die Shelak darauf, sie zu verehren?

Die Furinax hatten versucht, es ihnen zu erklären. Sie hatten versucht, den Shelak klarzumachen, dass die Großen Betrüger es nicht wert waren, verehrt zu werden. Und es gab Gerüchte, dass die Wanderer von Afar es nicht gut mit den Protoss meinten, wenn auch die Einzelheiten im Wind der Zeit verweht waren, der auch nach den Steinen griff.

Veskaar liebte die Großen Betrüger – er hasste sie -, er tobte und wimmerte. Wie die Wahrheit auch aussehen mochte, eines wusste er sicher: Die Shelak waren Narren ob ihrer verblendeten Vergötterung. Veskaar ballte die Fäuste, als seine Haut die Witterung von zwei Shelak aufnahm, die sich zu weit aus der Sicherheit des Dorfes entfernt hatten. Er schirmte seine Gedanken vor ihnen ab und begann sich an sie heranzupirschen.


Savassan und Temlaa experimentierten weiter mit den Kristallen. Zunächst waren sie sehr vorsichtig, denn Savassan befürchtete, die herrlichen Objekte könnten eine Gefahr darstellen.
"Du glaubst, es handelt sich dabei um Waffen?", fragte Temlaa. "Ich glaube, sie könnten benutzt werden, um Schaden anzurichten. Ein Stock kann dir helfen, schwierigen Boden zu überqueren. Er kann aber auch einem Feind den Schädel einschlagen." "Es ist gut, dass wir es waren, die sie fanden", meinte Temlaa. "Hätte ein anderer Stamm sie entdeckt, wären sie tatsächlich nur als Waffen benutzt worden. Wir werden versuchen, von ihnen zu lernen."

Die Frage ist... was können wir von ihnen lernen? Und was werden wir mit diesem Wissen anfangen?", fragte Savassan. Temlaa wusste, dass er keine Antwort erwartete.
Telkar und viele andere Shelak hatten die mächtigen Kristalle wirklich lediglich als Waffen betrachtet. Nur weil Savassan so hoch angesehen war, hatten sie nicht darauf bestanden, die Kristalle als besser Möglichkeiten zum Töten ihrer Feinde einzufordern – vorerst jedenfalls.

"Unsere Zahl nimmt ab", hatte Telkar gesagt. "All die anderen Stämme haben es auf uns abgesehen. Wir brauchen eine Möglichkeit, uns zu verteidigen, Savassan. Und wenn diese Kristalle uns eine solche Möglichkeit bieten, dann müssen wir sie nutze." "Lasst uns noch etwas mehr Zeit", hatte Savassan gebeten. "Wir sind die Hüter der Relikte. Wir müssen lernen, sie zu verstehen."
"Wenn wir bis zum letzten Kind von den anderen Stämmen abgeschlachtet werden", hatte Telkar unheilvoll entgegnet, "werden die Relikte gar keine Hüter mehr haben."

Sie hatten ihr Tempo beschleunigt. Sowohl Temlaa als auch Savassan hatten inzwischen hinreichend Kontakt gehabt, um die Kristalle berühren zu können – Savassan hatte ihnen den Namen "Khaydarin" gegeben, der so viel wie "Fokusse des Herzens" bedeutete -, ohne von den daraus folgenden Empfindungen überwältigt zu werden. Es gelang ihnen zunehmend besser, ihre Emotionen auch dann zu teilen, wenn sie die Kristalle nicht anfassten., sondern sich nur in ihrer unmittelbaren Nähe aufhielten.

Ausserdem standen sie, wie Savassan es erwartet hatte, zunehmend mehr in Einklang mit den Relikten. Sie enthielten tatsächlich Geschichten. Sie begannen zu verstehen, was einige der Symbole auf den Artefakten bedeuteten. Es gelang ihnen, Verbindungen herzustellen, die es ihnen ermöglichten, auch andere Geschichten zu begreifen und so noch mehr herauszufinden.
Savassan war nun in etwas vertieft, das er ein "Mysterium" nannte. Etwas, das ihn, davon war er überzeugt, noch weiter auf dem Pfad des Lernens voranbringen würde.

"Hier ist noch mehr... sehr viel mehr", sagte er einmal zu Temlaa. "Und uns geht die Zeit aus, alles zu begreifen. Es erstaunt mich, wie dumm wir waren. Wie weit uns die Ihan-rii voraus waren."
Sie machten weitere Fortschritte. Sie stellten fest, dass sie, anders als zu Beginn, die Kristalle nicht mehr brauchten, um die Gefühle des anderen zu erspüren. Zunächst war es überwältigend gewesen, beängstigend, aber nun fühlte Temlaa sich durch den stärkeren Kontakt bereichert. Es fühlte sich richtig an. Es fühlte sich an, meinte Savassan, wie etwas, das zu erreichen ihnen bestimmt gewesen war. Und so fühlte Temlaa sich nun gebadet in der Empfindung von Ehrfurcht und Staunen, die seinen Mentor sanft überliefen, wie Wasser, das über einen glatten Stein rann.

Er spürte auch Savassans Frustration. Die Kwah-kai, kleine Primaten, die im Blätterdach hausten, waren unter den Shelak für ihre Neugier bekannt. Oft wurden sie für warnende Geschichten darüber herangezogen, was mit jungen Shelak geschehen würde, wenn sie zu naseweis waren.
"Ich habe Kleine Hand immer bewundert", sandte Savassan, und Temlaa schickte eine Welle der Belustigung zurück. Auch er hatte die Figur Kleine Hand für ihre Neugier bewundert, obgleich die Geschichten dazu gedacht waren, ihn vor solchen Streichen zu warnen, anstatt ihn dazu zu ermuntern. Kleine Hand hätte genau das getan, was sie taten, dachte er. Wie um dies zu bestätigen, landete eines der rotweiß gestreiften Wesen plötzlich auf einem Ast nicht weit von ihnen entfernt, blickte sie aus leuchtend gelben Augen an und schnatterte, bevor es wieder davonsprang, auf einem anderen Ast landete und ein neues Abenteuer suchte. Und seine kleinen Hände, seine kleinen Füße sowie sein kleiner Schwanz... trugen es sicher des Weges auf seiner Suche nach weiterem Schabernack.

Die beiden Protoss teilten das warme Gefühl von Belustigung. Doch Temlaa war sicher, dass das, was auf die Entdeckung durch sie wartete sehr viel folgenschwerere Auswirkungen haben würde als alles, was je in einer Geschichte um Kleine Hand geschehen war.
Falls ihnen genug Zeit blieb, es überhaupt zu finden.

Temlaa schlief tief, und er wusste, dass er schlief, und er hielt sich verzweifelt an diesem Wissen fest, denn dies war der schlimmste Albtraum, der ihn je heimgesucht hatte. Natürlich war er schon in Höhlen gewesen, er hatte sogar schon in der Höhle der Relikte geschlafen, in die die Shelak sämtliche Artefakte der Ihan-rii geschafft hatten. Aber die Höhle in seinem Traum war ganz anders. Noch nie war er so tief unter der Oberfläche von Aiur gewesen – so weit entfernt von dem lebensspendenden Licht, das alle Protoss brauchten. Die Dunkelheit war kühl und hüllte ihn ein, aber irgendwie fühlte Temlaa sich ganz und gar nicht behaglich. Dies war nicht die Dunkelheit, die er gewohnt war, nicht die Dunkelheit der Nacht, in der Mond und Sterne über ihm waren und das Rascheln des Windes und die vertrauten Geräusche der Nachttiere ihn umgaben. Dies war eine Dunkelheit, die mehr verhüllte als beschützte. Er wusste nicht, woher er das wusste, aber er wusste es.

Gegenstände begannen im Dunkeln vor seinen Augen zu entstehen, Bilder bestimmter Artefakte. Eines war davon der Obelisk. Nur war er im Traum nicht zerbrochen, nicht beschädigt, sondern völlig intakt. Das war es, was er wachen Auges gesehen, bei bewusstem Denken analysiert hatte. Der Obelisk ragte in die Höhe. Die flache schwarze Oberfläche wimmelte von Schriftzeichen, die Temlaa so gerne gelesen hätte, dass es wehtat...


Es waren auch noch andere da – der zertrümmerte Pfeiler, den sie gefunden haten, nun unversehrt, in einem Stück und wunderbar anzuschauen. Und was zuvor nur zerbrochene Steintrümmer gewesen waren, nahm nun Gestalt, Farbe und Form an. Wieder andere erschienen und verschwanden aus Temlaa's Blickfeld, bis ihn der Wissensdurst dermaßen frustrierte, dass er vergaß, sich zu fürchten. Infolge seiner Frustration nahm er nicht länger passiv an dem Traum teil. Ein kleines Stück einer Steintafel schwebte direkt über seinem Kopf und drehte sich träge um seine eigene Achse. Temlaa griff danach. Lange purpurne Finger schlossen sich um rauen Stein. Plötzlich besaß das Ding Gewicht, und er musste schnell auch noch mit der anderen Hand zugreifen, um zu verhindern, dass es herunterfiel und zerbrach.

Er hob es an und sah die Symbole so deutlich, als seien sie noch ganz frisch. Der Zahn der Zeit hatte nicht daran genagt, andere wütende Protoss-Stämme hatten es nicht verunstaltet, es wies weder irgendwelche Flecken noch Schäden auf. Temlaa's Blick tastete es ab, und er verstand, er...

Temlaa schreckte um sich schlagend aus dem Schlaf auf. Das einzige Licht stammte von den leuchtenden Kristallen. Savassan wachte sofort auf, er hatte den erregten Ausbruch in Temlaa's Geist gespürt. "Ich brauche Werkzeug zum Schreiben!"
Jetzt war Savassan derjenige, der seinem Schüler gehorchte. Er beeilte sich, einen spitzen Stock aus dem Feuer zu nehmen und eine gegerbte Haut zu suchen, derweil Temlaa seine Hände auf den nächsten Kristall legte und dessen Leuchtkraft anschwellen ließ. Dann war Temlaa auch schon auf den Beinen, einen der Kristalle in der Hand, während er tiefer in die Höhle der Relikte hineinging, um das Artefakt zu suchen, das er in seinem Traum gesehen hate. Savassan folgte ihm schweigend, wartete ab und beobachtete.

Nach kurzer Suche entdeckte Temlaa das Objekt, das er brauchte. Nun begann er das, was er hier davon sehen konnte, auf das Pergament zu übertragen. Als er damit fertig war, schloss er die Augen. Abermals sah er die Tafel im Ganzen und frisch beschriftet, und als er die Augen wieder aufschlug, zeichnete er systematisch auf, was er gesehen hatte. Er versuchte nicht, die Symbole zu übersetzen, noch nicht – er wollte sie nur festhaltn, bevor der Traum so weit verblasst war, dass ihm diese Eindrücke wieder abhanden kamen.

"Das alles hast du in deinem Traum gesehen?", fragte Savassan, den Blick gespannt auf das gerichtet, was Temlaa niederschrieb. "Ja, diese Tafel und viele andere Dinge."
Savassan nickte. "Ich habe sie ebenfalls gesehen. Die Symbole erschienen und verschwanden wieder, so schnell, dass ich sie nicht lesen konnte." Temlaa erwiderte etwas beschämt: "Meine Enttäuschung nahm zu, und so schnappte ich mir einfach diese Tafel. Als ich sie berührte, hörten die Symbole auf zu verschwinden." Temlaa verspürte Überraschung, Belustigung und Bewunderung, die von Savassan auf ihn herüberspülten. "Dein Ungestüm hat uns vielleicht mehr eingebracht, als wir jetzt schon erahnen können." Sein Blick flog rasch über die Symbole. "Das sieht aus wie die Beschreibung eines Ortes." Temlaa schauderte. "Vielleicht die Höhle, die wir im Traum sahen."

"Das halte ich für wahrscheinlich. Aber die Beschreibung ist noch unvollständig. Wir müssen mehr in Erfahrung bringen." Nun, da Temlaa herausgefunden hatte, dass er die Artefakte in seinen Träumen berühren konnte, waren sowohl er als auch Savassan in der Lage, ihre Träume zu lenken. Sie erwachten und zeichneten alles auf, was sie gesehen hatten. Einmal, als Savassan die Symbole durchging, wurde er plötzlich blass und musste sich zitternd hinsetzen. Temlaa brauchte nicht einmal zu fragen, was los sei. Denn die Antwort strahlte klar und deutlich von Savassan aus: "Das sind Anweisungen." "Anweisungen wofür?" "Das weiß ich nicht. Aber der Gedanke lässt mir das Herz schwellen."

Sie machten sich auf und folgten dabei den Wegbeschreibungen, die Temlaa im Traum gekommen waren. Sie brauchten zwei Tage, aber schließlich fanden sie die Stelle, die sie suchten. Enttäuschung stieg in Temlaa auf. Es schien, als sei ihr Ziel nicht mehr – und nicht weniger – als eine große Ansammlung von Khaydarin-Kristallen, die wie Speere aus dem flachen Boden aufragten. Die Gegend war steinig und unfruchtbar, und so war es kein Wunder, dass sie solange unberührt und, glücklicherweise, unversehrt geblieben war. Temlaa sagte zögerlich: "Sie sind wunderschön... aber ich dachte, wir würden dein Eingang zu einer weiteren Höhle finden."

Savassans geistige Stimme klang resigniert und dennoch hoffnungsvoll. "Lass uns diese Kristalle berühren und sehen, was sie uns zu erzählen haben." Die beiden Protoss streckten die Arme aus und legten voller Respekt ihre purpurnen Hände auf die flache, kühle Oberfläche der Kristalle. Fast augenblicklich kamen ihnen Informationen zu. Bruchstückhaft, schwer zu verstehen, aber nichtsdestotrotz Informationen. Temlaa ließ einen Kristall los und legte seine Hand auf einen anderen. Weitere, neue Informationen füllten seinen Geist. Sein Kopf begann zu schmerzen.

"Wir müssen sie in einer bestimmten Reihenfolge berühren", sagte Savassan und legte damit das letzte Steinchen des rätselhaften Mosaiks an seinen Platz. "Aber... wie sieht diese Reihenfolge aus?" Temlaa wirkte ärgerlich. Hier gab es buchstäblich Hunderte von Kristallen. Welche davon waren wichtig? Und wie sollten sie das unterscheiden können? Temlaa blickte seinen Mentor an, dann schaute er auf seine Hände hinab. Er sah die Finger lang und zierlich auf dem Kristall ruhen. Es war, als betrachte er sie zum ersten Mal. Die Nägel, die Gelenke, ihre Gliederung. Drei Knochen in jedem Finger, von denen jeder auf eine bestimmte Weise mit einem anderen verbunden war.
Der Wind blies, und Temlaa's Augenmerk wurde hin zu einem einzeln stehenden Baum, der hier wuchs, und seinen Blättern gelenkt, die raschelten und sich bewegten.

 
   
Werbung  
   
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=